Der Erzengel und die schicke Marina

von Kai Kemmling am 19.07.2018 / in Allgemein
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Der heutige Plan ist klar,

wenn ich schon am Gargano unterwegs bin, so muss ich doch den Ort besuchen wo der Erzengel Michael am 8. Mai 492 gesehen worden ist. Da gibt es ein Tor, das einen von allen Sünden reinwäscht… Schaden kann es nicht!

Die Marina haut mich echt um. Es geht schon mit dem Funk los, wo ich im echt gut verständlichen Englisch mitgeteilt bekomme welcher Steg, in welcher Höhe die Fender kommen und auf welche Seite die Festmacher.

Ein Marinero hilft beim Anlegen und organisiert mir einen Reduzieradapter von 380v auf 230v. Die sind hier größeres gewohnt…
Dann ein Transponder für die persönliche Toilette/Dusche und den Steg. Der Kommentar im Hafenführer: Hier gibt es alles! Das spart die Aufzählung…

Man sollte meinen, dass diese Marina nun überteuert wäre aber weit gefehlt! Mit 25,-€ die Nacht liege ich in der Hauptsaison bei 50% vom kroatischen Niveau.

Hat der Engel hier schon seine Finger drin?? Aber alles läuft auch nicht soooo glatt. Erst lasse ich meinen Bordstromstecker ins Wasser plumpsen sodass ich ihn einer Süsswasserkur unterziehen muss mit Trocknung selbstverständlich… dann suche ich die Bushaltestelle zum Monte Sant’angelo und hier spricht keiner englisch… prompt stehe ich falsch und kein Bus hält. Mit den paar Brocken italienisch von früher, als ich auf Elba als Segellehrer gearbeitet hatte erfahre ich, dass der Bus den ich suche am „Rotondo“ dem Kreisverkehr hält.

Wer kann das denn ahnen. Der bleibt einfach stehen und der Verkehr quetscht sich durch den verbliebenen Bereich. Italien 🇮🇹…

Jetzt fahre ich in Serpentinen mit unglaublicher Geschwindigkeit den Berg rauf und fühle mich wie vor Tagen in der Kreuzsee. Blickt man rechts herunter, geht es steil ab in die Tiefe.

Dazu ein Fastunfall, weil der Pkw Fahrer die tüdeldidüü-Hupe nicht gehört hat. Aber ich bleibe entspannt. Wird schon… der Urlaub scheint sich auszuwirken.

Ich nehme natürlich den Fußweg zur Kirche, die, oben abgekommen sehr unscheinbar daherkommt. Nur der Glockenturm ist zu sehen und nachdem ich mir die Absolution beim Durchschreiten des Portals geholt habe geht die Treppe tief in den Berg hinein.

Angenehme Kühle umgibt mich und in einer Grotte steht der Erzengel Michael und kann hier angebetet werden. Mir gefällt die Ruhe und Schlichtheit der Felswände. Ich entspanne mich noch mehr als ich schon bin.

Im Örtchen lässt das Andenkenherz keine Wünsche offen. An vielen Ecken werden vom Kugelschreiber bis zum Andenkenbildchen alles verkauft. So ein Wallfahrtsort bietet immer eine schöne Plattform für den Kommerz. Aber man kann scheinbar davon leben.

Mir reicht das Erlebte und ich schlendere langsam zurück zur Haltestelle.

Während ich im Schatten auf den Bus warte, setzt sich ein alter Mann neben mich und floskelt mit mir auf Italienisch bis er merkt, dass ich ein Ausländer bin. Ich finde es immer schön, wenn man den Deutschen nicht sofort entdeckt. Er schwenkt auf Englisch um und wir unterhalten uns sehr nett über seine Hüfte, die Labradorhündin und den Urlaub. Ein schöner Moment, der mir das Warten angenehm verkürzte.

In der Marina angekommen treffe ich einen Segler, der mir in Monopoli beim Anlegen geholfen hatte. Netter Smalltalk und vielleicht spricht der Erzengel ja mit, dass alles geklappt hat und ich mich heute gut fühle…

 

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