Durchboxen…

von Kai Kemmling am 27.07.2018 / in Allgemein
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Will Italien mich nicht loslassen?
Schon wieder stellt sich mir eine Situation in den Weg, die in mir die Frage aufwirft ob ich nochmal zurück zur Marina fahren soll….
Dabei wollte ich doch nur eine Anzeige auf meinem Meilenmessinstrument haben!
Dazu muss man wissen, dass sich am Rumpf ein kleines Schaufelrad befindet, das der Wasserstrom in Bewegung setzt. Dadurch wird elektronisch die Geschwindigkeit und die Meilenanzahl ermittelt.

Oft hat sich dort eine Verschmutzung gebildet, die mit ein wenig Fahrt von selbst freigespült wird.
Heute aber nicht! Ich drehe den Motor an der Ausfahrt auf Maximum und noch immer tut sich nichts. Eine halbe Meile gebe ich dem Rädchen Zeit, bis ich versuche im Rückwärtsgang mit dem Schraubenwasser das Rad freizubekommen.
Bei der Aktion kracht es laut von achtern und der Motor samt Halterung geht Kopheista und dreht sich unter das Heck. Dabei hackt die sich drehende Schraube in das Ruderblatt… Zum Fluchen habe ich keine Zeit. Nur die Nackenhaare stellen sich auf und die Pupillen weiten sich…

Geistesgegenwärtig drücke ich den roten Aus – Knopf und es herrscht gespenstische Stille. Damit ich mich erst einmal sortieren kann schaue ich auf die Tiefe, 8 m…. Perfekt, und werfe den Anker… Dann das Großsegel bergen.

So, jetzt muss das Adrenalin erst einmal aus meinem Körper, damit ich klar denken kann.

Optionen durchgehen…
Eins nach dem anderen. Der Herr Mercury schaut mich mit dem Schaft unter dem Boot hängend falsch herum an. Alles hängt nur noch an dem Flaschenzug, der die Höhe des Motors reguliert.
Bei der anstehenden Welle schaukelt alles so sehr, dass ich mir nicht zutraue ohne größere Schäden den Motor zu bergen. Also baue ich mir einen Flaschenzug aus Großfall und Großschot und schlage mit dem Lifebelt dem Motor an.

Geschafft! Der Motor liegt im Kockpit und ich kann mich um die Aufhängung kümmern.
Wegen einer Materialermüdung brach eine Führungsrolle der Motoraufhängung entzwei und hebelte die komplette Mimik aus der Führungsschiene. Dabei verbogen sich die Edelstahlachsen.
In Ruhe klopfe, biege und hebele ich die Motorhalterung soweit wieder gerade, dass der Ursprungszustand nahezu wiederhergestellt ist.
Nur fehlt da jetzt eine Kunststoffrolle… Mit suchendem Blick und Phantasie streife ich durch die 7m – Behausung und finde eine provisorische Lösung.
Bis Vieste wird das erst einmal halten. Leider kann so aber der Motor nicht mehr in Segelstellung aus dem Wasser gehoben werden.

Dann hüpfe ich ins trübe Wasser um den Schaden unterm Rumpf zu begutachten. Nur das Ruder hat etwas abbekommen. Die Macke ist zwar bis auf das Sandwichmaterial herunter, wird aber zu Hause entsprechend behandelt werden können.
Wo ich gerade dabei bin zu tauchen, schaue ich mir das Rädchen der Logge an und sehe, warum es nicht mehr funktionierte. Es war komplett mit kalkhaltigem hartem Bewuchs verwachsen…
Mit mehreren Tauchgängen habe ich geknibbelt, gerieben, gereinigt, bis alles wieder frei lief. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Nur die 4 Tage Stillstand reichten aus, dass die Natur die Technik lahm legt.. Unglaublich!

Also brauche ich keine(n)PanPan Meldung, Schlepp, Rückfahrt…
Streng nach der Taucherregel: wenn du Probleme hast Ruhe bewahren und wenn irgend möglich selbst lösen! Das hat dieses Mal jedenfalls geklappt.

Ohne weitere Verzögerungen (diese hier hat mich eine Stunde gekostet) laufe ich in Vieste ein und mache mich auf die Suche nach einem Laden, der so etwas wie eine Rolle haben könnte.
Ich lerne viele Leute kennen, indem ich auf Italienisch mit Zeichnung und Milimeterangabe frage was ich benötige.
In einer kleinen Klitsche hat der Eigentümer eine tolle Idee und verkauft mir 9 Karosseriescheiben, die ich mit Pattex zu einem Block zusammenfüge. Das ist jetzt stabiler als alle anderen noch verbliebenen 3 Plastikröllchen. Ist leider kein Edelstahl, sodass das nur bis Deutschland halten wird.


Die Bastelei beschäftigt mich noch bis 23:00, sodass ich nur noch einen Salat esse, bis ich ins Bett falle. Morgen früh soll es ja schließlich los gehen.

Ich denke, dass sich das Durchboxen hier mal wieder bezahlt gemacht hat.

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